Beachvolleyball

Von der Kuhglocke bis zum Loser-Baum: Zwei Wochen, in denen der Sand kochte

17. Juli 2026

Wer glaubt, im Beachvolleyball ginge es nur um Sonne, Sixpacks und lässiges Hin-und-her-Gebagger, hat die letzten zwei Wochen verpasst. Da wurde ein Duo eine Woche nach dem Quali-Aus Turniersieger, ein 36-jähriger Ex-Weltmeister heulte mit seinen Kindern auf dem Center Court, und ein ehemaliger NBA-Profi baggerte sich durch die Qualifikation bis ins Finale. Wir sortieren das Chaos – von der Berliner Feierabendliga bis in die Schweizer Berge.

Berlin & Brandenburg

Die ganz große Bühne der German Beach Tour hat Berlin schon im Juni gesehen – doch der Funkhaus-Sand wirkt bis heute nach. Ausgerechnet die Berliner Sieger Lorenz/Rietschel nahmen ihren Schwung mit nach München und standen dort prompt wieder im Finale (dazu gleich mehr). So sieht Berliner Formexport aus.

Auf den heimischen Plätzen ist von Sommerpause ohnehin keine Spur. Die Beach Tour Berlin-Brandenburg läuft, und wer selbst ran will statt zuzuschauen, findet bei den C-Cup-Turnieren an der BeachMitte jedes Wochenende ein offenes Netz – vom ambitionierten Hobbyteam bis zum ehrgeizigen Aufsteiger. Nach der Youth Beach Series im Frühsommer drängt außerdem eine Generation nach, die den Sprungaufschlag schon beherrscht, bevor sie den Führerschein hat.

Deutschland

Und dann München, gleich zwei Wochenenden hintereinander, und beide hatten es faustdick hinter den Ohren. Beim ersten Tourstopp (2.–5. Juli) lieferte das frisch zusammengewürfelte Duo Nils Ehlers und Lui Wüst die schönste Trotzreaktion der Saison. Erst kegelten die bayerischen Außenseiter Kaminski/Sambale die topgesetzten Favoriten vor heimischer Kulisse aus dem Turnier, dann kämpfte sich Ehlers/Wüst über den Loser-Baum zurück und holte im Dreisatz-Krimi gegen die Berliner Lorenz/Rietschel den Titel (24:26, 21:19, 15:11). Pikant: Nur eine Woche zuvor war dasselbe Duo bei seinem allerersten gemeinsamen Auftritt in Gstaad noch in der Qualifikation gescheitert. Vom Quali-Aus zum Turniersieg in sieben Tagen – „das Wichtigste war gar nicht spielerisch, sondern mental“, brachte es Wüst auf den Punkt. Dass Ehlers‘ Ex-Partner und Olympia-Silbermedaillengewinner Clemens Wickler derweil in Pesaro an seiner Schulter kuriert wird, macht die Geschichte nur noch reizvoller.

Bei den Frauen dagegen null Drama, dafür pure Dominanz: Lea Kunst und Melanie Paul verteidigten ihren Münchner Titel, ohne einen einzigen Satz abzugeben – im Finale 21:19, 21:18. Für Kunst war es bereits der sechste Triumph auf Deutschlands höchster Turnierserie, der vierte an Pauls Seite. „Es war wichtig, wieder in unseren Spielfluss zu finden – das gibt uns viel Selbstvertrauen“, sagte die in Chile aufgewachsene Paul, die mit Kunst Kurs auf Olympia 2028 in Los Angeles nimmt.

Eine Woche später (München II, 9.–12. Juli) drehte sich das Drehbuch komplett um. Elea Beutel und Paula Schürholz, beim ersten Stopp noch sang- und klanglos in der Quali gescheitert, ließen die perfekte Antwort folgen und holten gegen die österreichischen Klinger-Schwestern nach 0:1-Satzrückstand den Titel (21:23, 25:23, 15:8) – bereits ihr zweiter GBT-Sieg der Saison. „Das ist mega, ein bisschen unfassbar“, strahlte Beutel. Bei den Männern schnappten sich mit dem französischen Wildcard-Duo Chouikh-Barbez/Genevieve-Gardoque die neuen Publikumslieblinge den Titel. Weiter geht die Tour erst vom 13. bis 16. August in Hamburg – und dann kommt der Kracher: Nach 33 Jahren am Timmendorfer Strand zieht die Deutsche Meisterschaft 2026 erstmals nach Dortmund, wo im Revierpark Wischlingen bis zu 6.500 Fans pro Tag erwartet werden.

Welt

Während die Deutschen in München jubelten, tobte in Gstaad das vielleicht schönste Turnier des Kalenders – legendär, mit 400.000 Dollar Preisgeld und einer Kuhglocke als Trophäe. Bei den Männern schrieb ein Routinier Geschichte: Der 36-jährige Alexander Brouwer, Olympia-Bronze 2016 und Weltmeister von 2013, gewann gemeinsam mit Stefan Boermans nach 16 Anläufen endlich sein erstes Gstaad-Gold – im Dreisatz-Finale (26:28, 21:17, 15:11) gegen ein US-Duo, das für die Kuriosität des Turniers sorgte: Silbermedaillengewinner Chase Budinger ist ein ehemaliger NBA-Profi, der sich mit Trevor Crabb erst aus der Qualifikation bis ins Endspiel gearbeitet hatte. „Keine Worte! Ein Kindheitstraum wird wahr“, stammelte ein völlig aufgelöster Brouwer mit zwei seiner Kinder auf dem Court.

Bei den Frauen gab es dagegen die pure Gewissheit: Kristen Cruz und Taryn Brasher gewannen Gstaad zum dritten Mal in Folge – mit sieben Siegen in sieben Spielen und nur einem einzigen abgegebenen Satz im gesamten Turnier. Im rein US-amerikanischen Finale bezwangen die beiden die Weltmeisterin von 2023, Kelly Cheng, und deren Partnerin Megan Kraft glatt in zwei Sätzen. „Das war einfach unfassbar“, schwärmte Cruz. Aus deutscher Sicht blieb bei den Frauen immerhin Rang fünf für Svenja Müller und Cinja Tillmann – die deutschen Männer scheiterten allesamt schon in der Qualifikation. Für Revanchegelüste bleibt kaum Zeit: Schon vom 29. Juli bis 2. August steigt der nächste Elite16 in Rio de Janeiro.

So viel Drama macht Lust, selbst in den Sand zu springen? Wer den perfekten Bagger, den sauberen Pritsch und den fiesen Cut lernen (oder endlich mal richtig üben) will, ist bei unseren Beachvolleyball-Camps für Anfänger genau richtig – Netz, Sand und gute Laune inklusive, den Sonnenbrand bitte selbst mitbringen. Bis zum nächsten Update: runter auf den Platz, rein in den Sand!

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