Beachvolleyball

Dortmund statt Ostsee, Ehlers ohne Wickler, Sørum ohne Mol – und warum deine Schulter beim Beachen so oft mitredet

12. September 2026 – Die Saison hat in den letzten fünf Wochen so viel Stoff geliefert, dass wir kurz überlegt haben, zwei Beiträge daraus zu machen. Haben wir nicht. Stattdessen gibt es die volle Ladung: zwei Berliner Rookies, die bei der Deutschen Meisterschaft die halbe Republik verrückt gemacht haben, eine DM ohne Meer (funktioniert trotzdem), das Ende von Deutschlands erfolgreichstem Männerteam, ein Norweger, der in die Halle geht – und wie versprochen der Abschnitt zu Schulterschmerzen, den wir letztes Mal angeteasert haben. Kaffee holen, dauert etwas.

Berlin & Brandenburg: Zwei Hauptstadt Beacher schicken Nationalteams in den Verliererbaum

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Wer vor der DM in Dortmund auf Colin Paszkiewicz und Charlie Peters getippt hätte, hätte vermutlich auch auf Schnee im August gesetzt. Die beiden Hauptstadt Beacher waren in dieser Saison genau ein einziges Mal auf der German Beach Tour dabei (Platz 7 in Hamburg) und haben sich die DM-Teilnahme über Landesverbandsturniere und Future-Events der Beach Pro Tour zusammengesammelt – Bronze auf den Kapverden, Silber in Qidong, Sieg beim Premium-Cup in Coesfeld.

Und dann das: Im Achtelfinale schicken sie als Nummer 10 der Setzliste das Nationalteam Henning/Pfretzschner (gesetzt an 2) mit 22:20, 13:21, 15:10 in den Loser-Baum. Im Viertelfinale wehren sie gegen die Sagstetter-Brüder drei Matchbälle ab und gewinnen 17:21, 27:25, 16:14. Ungeschlagen ins Halbfinale. Dort gegen Lorenz/Rietschel holen sie noch den ersten Satz 21:17, dann kippt es, im Tiebreak heißt es 12:15. Das kleine Finale geht 19:21, 17:21 an die Sagstetters, die sich damit für das Viertelfinale revanchieren. Bleibt Platz 4 bei der ersten DM überhaupt – und ein Kommentator bei Spontent, der beim Viertelfinal-Matchball komplett die Fassung verloren hat (das Video davon haben die beiden selbst auf ihre Teamseite gestellt, lohnt sich).

Nebenbei: Auch Berlin-Silber gab es in Dortmund. Louisa Lippmann (BR Volleys) und Melanie Paul spielten sich bis ins Finale, dazu unten mehr.

Für alle, die keine DM-Ambitionen haben und dieses Jahr nicht dabei waren: Wir haben ein kleines Video von der Atmosphäre und der Location gemacht.

Deutschland: DM-Premiere in Dortmund – 25.000 Fans, keine Ostsee, trotzdem Gänsehaut

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Nach 33 Jahren Timmendorfer Strand fand die Deutsche Meisterschaft vom 27. bis 30. August erstmals im Revierpark Wischlingen in Dortmund statt. Die Skepsis vorher war groß („Beachvolleyball ohne Beach“), das Ergebnis eindeutig: mehr als 25.000 Zuschauer an vier Tagen, Center Court mit 6.500 Plätzen am Finaltag ausverkauft, Pyro, Choreo-Tapeten, Seifenblasenpistolen. DVV-Präsident Markus Dieckmann brachte es auf den Punkt: „Natürlich fehlt die Ostsee, keine Frage. Aber alle, die hier waren, sind begeistert.“ Der Vertrag läuft laut DVV bis Ende 2028 in Dortmund; was danach kommt, ist offen.

Frauen: Sandra Ittlinger und Kim van de Velde holten den Titel mit 21:16, 19:21, 15:12 gegen Lippmann/Paul – und zwar über den Umweg Loser-Baum, weil sie das Viertelfinale gegen genau dieses Duo verloren hatten. Auf dem Weg zurück gab es gegen Behlen/Schulz einen ersten Satz, der erst beim 35:33 endete. Van de Velde ist 34, wurde letztes Jahr zum zweiten Mal Mutter und wollte eigentlich aufhören. „Nach Baby Nummer zwei dachte ich wirklich, dass es das gewesen sein könnte“, sagte sie nach dem Finale. Ittlinger und van de Velde hatten zusammen schon Silber (2018) und zweimal Bronze (2021, 2024) – jetzt ist der Satz komplett. Bronze ging zum zweiten Mal in Folge an Nele Barber und die 39-jährige Melanie Gernert, nachdem Anna Grüne im kleinen Finale verletzt aufgeben musste.

Männer: Nils Ehlers und Lui Wüst gewannen das Finale 21:16, 21:16 gegen Momme Lorenz und Tilo Rietschel. Für Ehlers ist es DM-Titel Nummer vier, für Wüst nach Silber 2024 und 2025 endlich Gold: „Wir hatten hier viele knappe Spiele und haben uns durchgekämpft. Irgendwann hat es Klick gemacht.“ Lorenz/Rietschel hatten ihr Auftaktspiel gegen die Youngster Bungert/Wüst verloren und sich dann durch den kompletten Verliererbaum ins Finale gekämpft – für beide das beste DM-Ergebnis ihrer Karriere.

Am Freitag wurde außerdem Karla Borger verabschiedet: 18 Jahre Leistungssport, rund 250 Turniere, 72 Medaillen, WM-Silber 2013, zwei DM-Titel, zwei Olympiateilnahmen. Die Top-10-Highlights der DM gibt es hier – die Berliner sind gleich zweimal drin:

„NIGHT NIGHT bei der DEUTSCHEN MEISTERSCHAFT | TOP 10 HIGHLIGHTS – Dortmund“ · SPONTENT Beachvolleyball · 31.08.2026 · 5:52 Min.

Die Trennung der Woche: Am 10. September gab der DVV bekannt, dass Nils Ehlers und Clemens Wickler nach fünf Jahren getrennte Wege gehen. Ehlers bleibt bei Lui Wüst, mit dem er in diesem Sommer Elite16-Gold in Hamburg, die DM und den GBT-Stopp in München gewonnen hat. Wickler, der die gesamte Saison 2026 wegen einer Schulterverletzung verpasst hat (dazu unten mehr), spielt künftig mit Lukas Pfretzschner – und zwar mit Pfretzschner als Blocker. „Uns ist bewusst geworden, dass Nils und ich nicht mehr zu 100 Prozent die gleichen Vorstellungen in Bezug auf eine Zusammenarbeit haben“, sagte Wickler. Bundestrainer Paul Becker sieht die Chance auf zwei starke deutsche Männerteams für Los Angeles 2028.

GBT-Finale in Hamburg (13.–16. August, parallel zur EM): Bei den Männern gewannen Tristan Fröbel und Tamo Wüst 21:14, 21:11 gegen Ole Sackermann und Benedikt Sagstetter – eine Paarung, die es erst seit ein paar Tagen gab, weil Jonas Sagstetter bei der EM war. Sackermann spielte sein allererstes GBT-Turnier und gewann mit Sagstetter drei Tiebreaks in Folge bis ins Finale. Bei den Frauen holten Anna Behlen und Sarah Schulz ihren vierten gemeinsamen Titel: Behlen brauchte im Tiebreak eine dreiminütige Behandlungspause am Rücken, kam zurück und beendete das Spiel mit zwei Assen in Folge.

Welt: Hamburg-Gold, ein 33:35 gegen Israel und Mols Abschied vom Sand

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Elite16 Hamburg (5.–9. August): Erstes Beach-Pro-Tour-Gold für Ehlers/Wüst – und gleichzeitig das erste Gold für jeden der beiden überhaupt. Im Finale schlugen sie die Olympiasieger Anders Mol und Christian Sørum mit 22:20, 21:9, Ehlers kam auf neun Kill-Blocks und 22 Punkte. Im Halbfinale hatten sie gegen Martins Plavins (41!) und Kristians Fokerots (21) einen Satzrückstand gedreht: 16:21, 21:19, 15:12. Bei den Frauen holten sich Nina Brunner und Tanja Hüberli (SUI) den Hamburg-Titel zurück, 21:19, 21:18 gegen die Weltmeisterinnen Graudina/Samoilova. Alle Ergebnisse gibt es bei Volleyball World.

„Gold Match – Ehlers/Wüst vs. Mol, A./Sørum, C | Highlights | Hamburg 2026 #BeachProTour“ · Beach Volleyball World · 09.08.2026 · 9:50 Min.

EM in Stare Jabłonki (12.–16. August): Vier Tage nach dem Hamburg-Gold verloren Ehlers/Wüst in der Round of 24 gegen Elazar/Cuzmiciov aus Israel – mit 19:21 und 33:35. Ja, 33:35. Alle sieben deutschen Teams waren spätestens im Achtelfinale raus, am knappsten Müller/Tillmann mit 17:21, 23:21, 12:15 gegen Stam/Schoon – die dann Europameisterinnen wurden (21:13, 21:11 im Finale gegen Spanien). Bei den Männern gewannen die Schweden Jacob Hölting Nilsson und Elmer Andersson 21:18, 18:21, 15:10 gegen Mol/Sørum. Die EM war gleichzeitig das erste Quali-Turnier für Los Angeles 2028: Niederlande und Schweden haben ihre Plätze schon sicher.

Montreal (19.–23. August): Mol/Sørum gewannen das letzte Elite16 der Saison ohne Satzverlust – ihr 38. Sieg in 105 gemeinsamen Turnieren. Und dann war Schluss, vorerst: Anders Mol spielt die Saison 2026/27 in der Halle für Rana Verona in der italienischen SuperLega und kommt frühestens im April 2027 zurück in den Sand. „Wir haben jeden einzelnen Punkt genossen, den wir hier zusammen hatten“, sagte er. Der vielleicht beste Blocker aller Zeiten als Mittelblocker in Italien – wir sind gespannt.

Und was macht Sørum in der Zwischenzeit? Der Weltmeister von 2022 bleibt im Sand, aber ohne festen Turnierpartner: Laut Store norske leksikon trainiert er den Winter über mit dem norwegischen Nationalteam, während Mol in Verona spielt. Ab April 2027 wollen die beiden wieder gemeinsam antreten – Ziel ist die Qualifikation für Los Angeles 2028, ihre dritten Spiele nach Gold in Tokio und Bronze in Paris. Vorher gab es in dieser Saison noch EM-Silber, die erste Finalniederlage in sechs EM-Endspielen in neun Jahren. Wer die Pause mitverfolgen will: Sørum ist auf Instagram unterwegs, die gesamte Trainingsgruppe unter Beachvolley Vikings.

Schulterschmerzen beim Beachvolleyball: 3 Gründe, 3 Gegenmaßnahmen

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Versprochen ist versprochen. Clemens Wickler hat eine komplette Saison mit der Schulter verloren, und wenn ihr euch auf der Anlage umhört, ist er damit in guter Gesellschaft. Die Zahlen aus der FIVB-Verletzungsstudie an Profis: Rund 22 Prozent aller Überlastungsbeschwerden betreffen die Schulter, mehr nur Knie (27 Prozent) und unterer Rücken (33 Prozent). Eine Studie im Journal of Athletic Training (2024) fand bei 93 Prozent der Elite-Beacher Beschwerden im Saisonverlauf – und 46 Prozent spielen zu jedem beliebigen Zeitpunkt mit Schmerzen. Beachvolleyball ist Overhead-Sport mit Sand als Widerstand, das bleibt nicht folgenlos. Drei Gründe, die in der Sportmedizin immer wieder genannt werden:

  1. Zu viel, zu schnell. Hunderte Angriffe und Aufschläge pro Woche, längere Ballwechsel als in der Halle, oft ohne Aufbau nach der Winterpause. Überlastung ist bei Profis wie bei Hobbyspielern der häufigste Mechanismus – nicht der eine spektakuläre Unfall, sondern die Summe.
  2. Muskuläres Ungleichgewicht. Brust und Lat (die Beschleuniger) sind bei Beachern stark, die Außenrotatoren und Schulterblatt-Stabilisatoren (die Bremser) hinken hinterher. Bei etwa 30 Prozent der Profis zeigt sich sogar eine Atrophie des Infraspinatus, eines Muskels der Rotatorenmanschette – meist durch Reizung des Nervus suprascapularis, wie ein Review im SEMS-Journal zusammenfasst. Interessant: Viele davon haben keine Schmerzen.
  3. Eingeschränkte Beweglichkeit und Technik. Steife Brustwirbelsäule, verlorene Innenrotation im Schlagarm, ein Schulterblatt, das nicht sauber mitdreht – dann muss die Rotatorenmanschette Arbeit übernehmen, für die sie nicht gebaut ist. Dazu kommt bei vielen von uns ein Ellbogen, der beim Schlag zu tief hängt.

Und was hilft? Drei Dinge, die die FIVB-Empfehlungen zur Verletzungsprävention und die genannten Reviews übereinstimmend nennen:

  1. Bremser trainieren. Zwei- bis dreimal pro Woche Außenrotation mit dem Band, Y-T-W-Übungen in Bauchlage, Rudern – jeweils leicht, sauber, viele Wiederholungen. Das ist die unspektakulärste und wirksamste Maßnahme auf dieser Liste.
  2. Beweglich bleiben. Brustwirbelsäulen-Rotation, Cross-Body-Stretch und Sleeper-Stretch für die hintere Schulterkapsel, und vor dem Spiel Schläge progressiv aufwärmen statt beim ersten Ball voll durchzuziehen.
  3. Belastung steuern und Schmerz ernst nehmen. Aufschlag- und Angriffsvolumen nach Pausen langsam steigern, an Turnierwochenenden Pausen einplanen, Technik vom Coach checken lassen. Und: Wer länger als zwei Wochen Schmerzen hat, nachts aufwacht oder Kraft verliert, gehört zu Arzt oder Physio – nicht zum nächsten Turnier.

Ein Hinweis, der uns wichtig ist: Ein auffälliges MRT ist nicht automatisch der Grund für den Schmerz. Bei Überkopf-Athleten finden sich Veränderungen an Sehnen und Labrum auch bei völlig beschwerdefreien Schultern. Was zählt, ist der Befund am Menschen, nicht am Bild. Das hier ist keine individuelle medizinische Beratung – aber vielleicht ein Anstoß, das Band öfter aus der Tasche zu holen.

Sand geht weiter

Die Saison ist noch nicht vorbei, nur die Zeit der 30 Grad. Wer den Herbst nutzen will, um Technik und Grundlagen sauber zu machen – und die Schulter gleich mit –, findet unsere Camps für Anfänger und Fortgeschrittene hier. Bis zum nächsten Mal: baggert schön.

Euer Team von Berlin-Beachvolleyball.de

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