Block und Abwehr im Beachvolleyball: Wer nimmt welchen Ball?

Zwei Leute, 128 Quadratmeter Sand, und der Gegner darf hinschlagen, wohin er will. Block und Abwehr sind im Beachvolleyball deshalb keine zwei Aufgaben, sondern eine einzige – und sie ist der Grund, warum kleine Teams große schlagen.

Sergej Sajfulin, Meister des Sports internationaler Klasse und später promovierter Sportwissenschaftler, hat das 1996 bei seinem Debüt auf einer Weltmeisterschaftsstation erlebt. Sein Team verlor gegen die Kanadier Heese/Child, die Olympia-Bronzemedaillengewinner von Atlanta, mit 2:15 in 55 Minuten – und das, obwohl die Russen größer waren, höher sprangen und härter schlugen. Sein Fazit Jahre später als promovierter Sportwissenschaftler: Sie hatten schlicht kein Zusammenspiel zwischen Block und Feldabwehr. Ohne das bleibt als einzige Punktequelle der eigene Aufschlag.

Blockspielerin am Netz im Beachvolleyball
Der Block deckt eine Zone ab – nicht den ganzen Angriff. Foto: Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Der Denkfehler, den fast alle machen

Im Hobbyspiel läuft es meistens so: Der Blockspieler stellt sich ans Netz, der Abwehrspieler schaut, wohin der Block zeigt, und stellt sich in die andere Ecke. Klingt logisch. Ist aber falsch herum gedacht.

Sajfulin beschreibt die Ausgangsposition des Abwehrspielers anders – und das ist der wichtigste Satz dieses Artikels: Sie hängt nicht davon ab, welche Richtung der Block zumacht, sondern davon, an welcher Stelle des Netzes geblockt wird. Der Block steht links am Netz? Dann steht der Abwehrspieler in einer bestimmten Grundposition. Der Block steht rechts? Andere Grundposition. Ob dieser Block Linie oder Diagonale zumacht, ändert an der Ausgangsposition erst einmal nichts.

Der Grund ist geometrisch. Ein Angreifer, der am linken Netzrand hochgeht, hat ganz andere mögliche Winkel als einer, der in der Mitte steht. Die Fläche, die der Abwehrspieler realistisch erreichen kann, verschiebt sich mit dem Angriffspunkt – nicht mit der Handstellung des Blocks.

Praktisch heißt das: Orientiere dich beim Aufstellen zuerst daran, wo der Angreifer hochgehen wird. Erst danach denkst du daran, was dein Blockpartner zumacht. Wer es andersherum macht, steht ständig zu weit außen.

Drei Arten, im Feld zu verteidigen

Es gibt nicht „die“ Abwehr, sondern drei klar unterscheidbare Spielweisen. Die meisten Freizeitspieler kennen nur eine davon.

1. Passive Abwehr

Du nimmst deine Grundposition ein und bleibst dort – auch während der Gegner angreift. Deine Startposition ist gleichzeitig deine Endposition. Manche Spieler machen dabei kleine Täuschbewegungen mit dem Oberkörper nach links und rechts oder vor und zurück, ohne den Platz zu verlassen. Der Brasilianer Zé Marco war dafür bekannt. Ziel ist, den Angreifer und den Zuspieler zu verunsichern, ohne selbst Fläche aufzugeben.

Das ist die Abwehr, mit der du anfangen solltest. Sie verlangt am wenigsten und macht am wenigsten kaputt.

2. Aktive Abwehr

Du startest in der Grundposition, verlässt sie aber, sobald der Gegner den Ball zugespielt hat, und läufst in die Zone, in die du den Angriff erwartest. Wenn du richtig liegst, hast du den Ball schon, bevor er ankommt. Wenn du falsch liegst, ist das Feld an der Stelle offen, an der du eben noch standest.

Sajfulin nennt drei Voraussetzungen, die alle erfüllt sein müssen: sehr gute körperliche Verfassung, stabile Psyche – weil du oft läufst und den Ball trotzdem nicht bekommst – und volles gegenseitiges Verständnis mit dem Blockpartner. Dazu einen sauber gestellten Block, sonst rätst du ins Leere.

3. Abwehr nach dem Schlag

Du stehst wie bei der passiven Abwehr, reagierst aber erst auf den Ball beziehungsweise auf die Schlaghand und läufst dann hinterher. Das ist die Variante gegen Shots und Rollschläge. Sie verlangt vor allem Antrittsgeschwindigkeit, nicht Ausdauer: Die ersten zwei Schritte entscheiden.

Abwehrspieler im Feld während eines Angriffs
Der Abwehrspieler deckt das ab, was der Block offen lässt. Foto: Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Blocken oder abziehen?

Der Blockspieler hat vor jedem Angriff zwei Möglichkeiten: am Netz bleiben und springen, oder sich vom Netz lösen und selbst ins Feld gehen. Im Englischen heißt das peel oder pull, im Deutschen sagen die meisten schlicht „abziehen“.

Die Entscheidungsregel ist einfacher, als sie klingt: Bleib am Netz, solange der Gegner sauber zuspielen kann. Zieh ab, sobald das Zuspiel schlecht ist. Ein Angreifer, der einem verunglückten Pass hinterherlaufen muss, schlägt selten hart – er legt den Ball. Und gelegte Bälle fängt man im Feld, nicht am Netz.

Zwei Situationen, in denen Abziehen fast immer richtig ist: Das Zuspiel geht weit über die Netzkante hinaus, oder der Gegner muss den zweiten Ball selbst rüberspielen. Beides kündigt keinen harten Angriff an.

Technik am Netz: drei Dinge, die zählen

Die Blocktechnik im Sand unterscheidet sich von der Halle vor allem durch den Absprung. Du kannst dich nicht explosiv abdrücken, du würdest dich eingraben. Der Rest ist Handwerk:

Stand. Knie leicht gebeugt, Gewicht gleichmäßig auf beiden Füßen, Hände vor dem Körper auf Schulterhöhe. Aus dieser Position kommst du in jede Richtung weg – auch nach hinten, falls du doch abziehst.

Absprungzeitpunkt. Der häufigste Fehler ist zu früh. Im Sand steigst du langsamer und bist kürzer oben als auf dem Parkett. Warte, bis der Angreifer seine Schlagbewegung beginnt.

Arme und Hände. Arme gestreckt und fest, Finger gespreizt – das vergrößert die Blockfläche spürbar. Wer viel blockt, tapt die Finger, das gibt zusätzliche Stabilität. Der Trainerstab um Weltmeister Wjatscheslaw Krassilnikow empfiehlt genau das.

Und der taktische Teil: Blocken heißt lesen. Beobachte, wo der Gegner steht, wie er anläuft, wohin sein Zuspiel geht. Im Sand mit nur zwei Gegenspielern sind das überschaubar viele Signale – du musst sie nur bewusst anschauen.

Der Block zählt als erste Berührung

Das ist der Regelunterschied, an dem Hallenspieler im ersten Sandspiel scheitern. In der Halle zählt eine Blockberührung nicht als Kontakt, das Team hat danach weiterhin drei Ballberührungen. Im Beachvolleyball zählt sie mit. Nach einer Blockberührung bleiben deinem Team nur noch zwei Berührungen.

Konkret: Du blockst, der Ball tropft in dein eigenes Feld, dein Partner nimmt ihn auf – das war Berührung zwei. Der dritte Ball muss über das Netz. Wer als Blockspieler nach der Berührung noch einmal selbst spielt, darf das übrigens: Es gibt keine Regel, die zwei aufeinanderfolgende Berührungen desselben Spielers nach einem Block verbietet.

Noch eine Regel, die überrascht: Den Aufschlag darfst du nicht blocken. Ein Ball, der direkt aus dem Aufschlag kommt, darf über der Netzkante weder geblockt noch angegriffen werden. Du musst warten, bis er die Netzebene passiert hat oder unter die Netzkante fällt.

Die vier häufigsten Fehler

Der Abwehrspieler schaut auf den Block statt auf den Angreifer. Dein Blockpartner hat vor dem Aufschlag ein Handzeichen gegeben – mehr musst du von ihm nicht wissen. Deine Augen gehören dem Gegner.

Der Block springt aus Prinzip. Ein Block gegen einen Ball, den der Gegner nur noch legen kann, ist geschenkte Fläche. Wie ein Angreifer solche Bälle platziert, steht in unserem Artikel zu den fünf Shots. Abziehen ist kein Zeichen von Schwäche.

Beide gehen auf denselben Ball. Das passiert immer dann, wenn vorher nichts vereinbart wurde. Die Lösung sind Handzeichen, nicht mehr Laufwege.

Aktive Abwehr ohne Absprache. Wenn du losläufst und dein Partner es nicht weiß, entsteht ein Loch, das keiner zumacht. Aktive Abwehr funktioniert nur als Teamentscheidung.

Häufige Fragen

Soll ich als kleiner Spieler überhaupt blocken?

Ja, aber seltener. Ein Block muss den Ball nicht abfangen, um zu wirken – er verengt die Winkel und zwingt den Angreifer zur Entscheidung. Wenn du deutlich kleiner bist als dein Gegenüber – zur Einordnung hilft unser Niveau-System A1 bis F3 –, lohnt sich Abziehen häufiger, weil du im Feld mehr Bälle erreichst als am Netz.

Wie finde ich meine Grundposition im Feld?

Stell dich zunächst dorthin, wo die Diagonale des Angreifers landen würde, und korrigiere von dort aus. Wichtig ist, dass du schon vor dem Angriff dort stehst und ruhig bist. Ein Abwehrspieler, der im Moment des Schlags noch läuft, kann nicht reagieren.

Was mache ich nach einer Blockberührung?

Sofort umdrehen und ins Feld schauen. Der Ball ist nach einer Blockberührung oft langsam und fällt kurz hinter dich. Und denk daran: Deinem Team bleiben nur noch zwei Berührungen.

Blocken wir Linie oder Diagonale?

Als Faustregel im Freizeitspiel: Linie zumachen, Diagonale dem Abwehrspieler überlassen. Die Diagonale ist der längere Weg, dort bleibt mehr Reaktionszeit. Gegen Gegner, die fast nur diagonal schlagen, dreht ihr das um.

RBRoman BobryshevSeit 20 Jahren im Beachvolleyball aktiv – als Trainer und als SpielerJuli 29, 2026

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